TAU-Info

Franziskusschwestern

der Familienpflege, Essen      

 

Friede und Heil

 
 

Hl. Franziskus

 

Quintinusstiftung

 unsere Hilfe für Familien, Jugendliche und Senioren

 

Ordensjubiläum  20.Mai 2004     Predigt Weihbischof Franz Vorrath  
 

Sr. M. Wilhelma

 Jürgensmeier

40 Jahre

Sr. M. Roswitha

Greuel

50 Jahre

Sr. M. Regina

Mersmann

50 Jahre

 
 

Predigt Weihbischof Franz Vorrath

Liebe Franziskusschwestern,

sehr verehrte Schwestern Regina, Roswitha und Wilhelma, sehr geehrte Gäste, liebe Schwestern und Brüder!  

Ist das nicht eine überraschende Reaktion der Jünger? Jesus kehrt zum Vater zurück, er verlässt seine Jünger, nachdem er sich ihnen als Auferstandener mehrere Male gezeigt hat, und die Jünger freuen sich. Wäre nicht eher zu erwarten gewesen, dass sie darüber traurig sind, dass Jesus sie endgültig verlässt? Was mag wohl der Grund ihrer Freude sein?

Die österliche Freude im Lukas-Evangelium beginnt bei der Verwunderung des Petrus über das leere Grab. Sie steigert sich dann vom Brennen der Herzen der beiden Emmausjünger über die ungläubige Freude aller Jünger über das Erscheinen des Auferstandenen im Jerusalemer Versteck. Doch erst in der Erzählung über die Heimkehr Jesu zu seinem Vater bricht die österliche Freude uneingeschränkt durch.

Liebe Schwestern und Brüder!

Mit den Jüngern muss in der Zeit der Begegnungen mit dem Auferstandenen etwas tiefgreifendes geschehen sein. Sie müssen etwas neu begriffen haben, so dass sie sich über die Heimkehr Jesu zum Vater freuen können.

Was ist den Jüngern in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus neu aufgegangen? Es ist die Erkenntnis, dass Jesus sie gar nicht alleine lässt. Es ist das gläubige Wissen: Er ist weiterhin unter uns anwesend. Diese Anwesenheit ist anders als seine Existenz vor dem Tod und auch anders als seine Erkennbarkeit nach der Auferstehung. Sie hat etwas zu tun mit der Verheißung und der Sendung des Beistands, des Heiligen Geistes. In ihm liegt die Kraft und die Möglichkeit, Jesus auf ganz neue Art und Weise wahrzunehmen. Er, der Heilige Geist, wird sie zu den Orten führen, an denen Jesus aufzufinden ist, an denen Gott in der Geschichte der Menschen weiterhin handelt.

Liebe Gemeinde!

Der Evangelist Lukas wird nicht müde, in seinem Evangelium und in der Apostelgeschichte deutlich zu machen: Gott handelt durch seinen Heiligen Geist. Die Menschwerdung Jesu geschieht durch den Heiligen Geist. Jesus selbst ist der Geistbegabte, der gesandt wurde, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Freiheit zu verkünden, Kranke zu heilen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Und jetzt geht dieser Jesus nicht von seinen Jüngern, ohne ihnen Gottes Geist zu verheißen: „Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet“ (Lk 24, 49).

Jetzt endlich begreifen sie, Jesus ist nicht weit weg, sondern ganz nah bei ihnen. Er ist nicht in der Höhe verschwunden. Gott ist vielmehr weiterhin in der Geschichte der Menschheit zu entdecken. Und die Jünger tragen durch Jesu Sendung mit Verantwortung dafür, dass auch die anderen Menschen von Gottes unbedingter Liebe zu uns erfahren.

In der Lesung aus der Apostelgeschichte, die wir zuvor gehört haben, beschreibt Lukas sehr anschaulich, dass die Jünger nicht auf den Himmel vertröstet werden und sie auch andere nicht auf den Himmel vertrösten sollen. Sie müssen sich die Frage der beiden Boten Gottes gefallen lassen: „Ihr Männer von Galliläa, was steht ihr hier herum und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1, 11a)

Durch diese Anfrage bekommen die Jünger wieder Bodenkontakt. Sie werden wieder geerdet, damit sie selber segnen können, so wie Jesus sie zum Abschluss gesegnet hat. Sie sollen segnen und Segen sein, nicht vertrösten. Sie sollen den Geist empfangen und ihn im Leben der Menschen entdecken. Gottes Handeln in der Welt ist nicht mit Jesu Heimkehr zum Vater beendet. Gottes Handeln in der Welt soll durch die Jünger und ihre Gemeinschaft erfahrbar werden.

Liebe Franziskusschwestern! 

Segensreich wirkten und wirken auch Sie und Ihr Orden. In Ihrem Dienst an den Menschen wird uns allen deutlich, dass Sie die Freude der Jünger wohl nachvollziehen können. Seit 85 Jahren schaut der Orden der Franziskusschwestern nicht empor zu den Wolken, sondern wirkt dort, wo Menschen am Boden sind. In ihnen entdecken Sie Gott selber, so wie es der heilige Franziskus getan hat. In konkreter Hilfe wollen Sie den Menschen nahe sein und von Gottes Nähe zu den Menschen Zeugnis ablegen. 

Familienpflege, Jugendhilfe, Krankenpflege und Altenhilfe, dort wo die Not groß ist, dort setzen Sie sich ein. Die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend handeln, sich von der Not der Zeit herausfordern lassen, das ist Ihr Weg der Nachfolge.

Ein solcher Dienst kann nicht verrichtet werden, ohne die Freude über den eigenen Glauben verspürt zu haben, ohne die Freude über den gelebten Glauben in der Ordensgemeinschaft und die Auffindbarkeit Gottes in der Welt. Für diesen Dienst und diese Treue möchte ich Ihnen herzlich Dank sagen. Die Freude am Herrn sei auch weiterhin Ihre Stärke.

Danken möchte ich in besonderer Weise Ihnen, liebe Schwester Regina, liebe Schwester Roswitha und liebe Schwester Wilhelma. Sie dürfen heute auf fünfzig beziehungsweise vierzig Jahre Ordensleben zurück blicken. Gott möge Sie auch weiterhin auf Ihren Lebenswegen begleiten und Sie mit seinem reichen Segen beschenken.

Liebe Schwestern und Brüder!

Schwester Regina Mersmann feiert heute ihr 50jähriges Ordensjubiläum. Sie lernte nach dem Noviziat Krankenpflege und leitete hier im Franziskuskrankenhaus in Essen die chirurgische Frauenstation. Ihre ganze Sorge galt den kranken Frauen, die ihr anvertraut wurden. Nach der Übergabe des Krankenhauses wechselte sie in das ordenseigene Altenheim in Neuss und arbeitete anschließend auf der Krankenstation des Mutterhauses. Heute lebt sie in Harsewinkel und wirkt dort ehrenamtlich mit.

Schwester Roswitha Greuel, die ebenfalls ihr goldenes Ordensjubiläum feiert, wurde mit vielfältigen Aufgaben betraut. Sie war in der Familienpflege, im Altenheim und in der Gemeindearbeit in Paderborn und Gladbeck tätig. Lange Zeit arbeitete sie im Büro des Mutterhauses und half auf der Krankenstation der Schwestern. Auch heute lebt sie im Mutterhaus und übernimmt den Dienst an der Pforte.

Schwester Wilhelma Jürgensmeier feiert ihr 40jähriges Ordensjubiläum. Sie war bereits ausgebildete Krankenschwester, als sie das Noviziat begann. Sie arbeitete vor allem in der Familienpflege und in der ambulanten Krankenpflege. In Mönchengladbach betreute sie einige Jahre die Teilnehmer des Haus-Notrufs. Wie Schwester Regina lebt auch Schwester Wilhelma in Harsewinkel und übernimmt dort ehrenamtliche Dienste.

Liebe Jubilarinnen!

Wenn wir auf Ihre Aufgaben und Dienste blicken, dann haben Sie vor allem dort gearbeitet, wo das Leben der Menschen durch Krankheit und Not bedroht wird. Sicher konnten Sie Gottes Gegenwart dort besonders spüren. Ihre Treue zu den Menschen in Not und zu Ihrer Gemeinschaft zeigt deutlich, von welchem Geist Sie sich leiten lassen. Mit Gottes Beistand, dem Heiligen Geist, konnten Sie zum Segen für die vielen Menschen werden, die Ihnen auf Ihren Wegen begegnet sind.

Sie, liebe Jubilarinnen, haben für die Ihnen anvertrauten Menschen den Himmel offengehalten. Sie haben Anteil daran, dass der Himmel den Menschen, mit denen und für die Sie gearbeitet haben, nicht so weit weg erscheint, wie es ein Blick in die Höhe vermuten lassen würde. Sie legen mit Ihrem Leben Zeugnis dafür ab, dass der Himmel keine Vertröstung ist, sondern ganz real und anfanghaft in unserer Welt erkennbar und erfahrbar wird.

Liebe Mitchristen!

Ein Text von Wilhelm Willms nimmt die Frage nach dem Ort des Himmels auf und versucht Antwort darauf zu geben. Er drückt unsere Hoffnung nach Gottes Nähe aus. Er fasst literarisch das zusammen, was Sie, liebe Schwestern, durch Ihren Dienst an den Menschen und in Ihrer Gemeinschaft leben.

„Weißt du wo der Himmel ist, außen oder innen? Eine Hand breit rechts und links, du bist mitten drinnen.

Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so tief verborgen; einen Sprung aus dir heraus, aus dem Haus der Sorgen.

Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so hoch da oben; sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben.“

 

Franziskusschwestern  Laarmannstr. 26 D-45359 Essen,  Tel. 0201 450 913-0 Fax 0201 450 913-913